Am letzten Wochenende war es wieder soweit. Am Bodensee fand wieder der Highlander Challenge statt. Ein Wettbewerb f?r ganz Verr?ckte. Sorry JJS! 2001 war ich ja als Betreuer dabei (moralische St?tze). Diesmal hat es leider nicht ganz geklappt. Aber beim n?chsten Challenge ist woern the sustainer wieder dabei!
Schwimmen: 3 km
Inline Skating: 19 km
Rennrad: 120 km
Mountainbike: 44 km
Laufen: 19 km
Hier der Bericht von JJS: (hier gehts zum Bericht aus dem Jahre 2001)
ERLEBNISBERICHT ZUM HIGHLANDER-CHALLENGE AM 17.07.2004
Wer meinen Bericht zum ersten Highlander im Jahre 2001 gelesen hat, der wird noch die Schlu?worte in Erinnerung haben, die wohl nicht unbedingt vermuten lie?en, da? ich nochmals bei diesem Event antreten w?rde. Der Grund f?r mein Umdenken ist ein simpler: Der Veranstalter (multisportsnetwork) hat sich f?r 2004 erstmals dazu entschlossen, das Konzept zu ver?ndern und die Wechsel zu den einzelnen Disziplinen so zu gestalten, da? die Begleitung durch ein Transportfahrzeug entbehrlich ist. Nachdem durch diese Neuerung einer meiner Hauptkritikpunkte am Highlander wegfiel, hatte ich mich entschlossen, die Herausforderung der f?nf Disziplinen nochmals anzunehmen.
Der zentrale Dreh- und Angelpunkt der Veranstaltung lag nun in Bodman in der N?he von Ludwigshafen am Bodensee, was mir den Vorteil bescherte, wieder meine Bekannten aus Salem als Quartiergeber “mi?brauchen” zu k?nnen, ohne auf den F?hrbetrieb nach Konstanz angewiesen zu sein. Vielen Dank an dieser Stelle an Maria-Franziska, Christine und Albert!!! Es ist sicherlich kein Vergn?gen f?r zwei Tage einen Gast zu haben, der zu den unm?glichsten Zeiten kommt und geht…
Ich hielt es somit f?r v?llig ausreichend, am Freitag um 15 Uhr loszufahren, um mir gegen 19.30 Uhr in Bodman die Startunterlagen abzuholen. Doch das war ein wenig blau?ugig gedacht, denn der Ferienbeginn in einigen Bundesl?ndern machte mir die Anfahrt nicht gerade leicht. Kurz vor 21 Uhr hielt ich - gerade noch rechtzeitig - den begehrten Beutel mit den Unterlagen in H?nden und war von der Fahrerei mehr als geschlaucht.
Die (gl?cklicherweise verschobene) Wettkampfbesprechung verhie? dann ansatzweise nichts Gutes: Da war von matschigen Abfahrten auf der Mountainbikestrecke die Rede oder von l?ngerem Treppensteigen beim Laufen. Als ewig positiv denkender Mensch redete ich mir ein, da? das halt die “Weicheieransagen” sind, damit sich hinterher keiner aufregt. Weit gefehlt, wie sich noch herausstellen sollte!
Ansonsten fuhr ich aber mit einem recht positiven Gef?hl in Richtung Nachtlager. Der Veranstalter hatte in den letzten Jahren wohl viel dazugelernt, denn das Start-, Wechsel- und Zielareal in Bodman machte einen absolut professionellen Eindruck. Der Transport der Inline-Utensilien war prima organisiert und ich fand mich rundum perfekt zurecht. Die Anspannung, ob ich ohne Betreuer den logistischen Aufwand vern?nftig stemmen k?nnte, wich von mir. Alles schien in bester Ordnung und so schlief ich des Nachts f?r Vor-Wettkampf-Verh?ltnisse recht gut (wenn auch mit f?nf Stunden etwas kurz).
Der Race-day begann, wie es der Wetterbericht versprochen hatte: Bereits in aller Fr?he tolle Temperaturen und so hob sich die Laune auf den Wettkampf min?tlich. Als alles in der Wechselzone seinen Platz gefunden hatte, tappte ich in Badehose zum Schwimmstart und geno? den Blick ?ber diesen gigantischen See. Ich bekam richtig Lust, darin demn?chst meine Bahn zu kraulen. Selbst die plagenden Stechviecher, die mich beim Anziehen des Neos piesackten, konnten meiner Laune keinen Abbruch bescheren. Von der Wassertemperatur war ich angenehm ?berrascht: Ich h?tte gewettet, da? die angek?ndigten 18 Grad ge?unkert waren, doch es f?hlte sich w?rmer an als bef?rchtet.
Nachdem der Startschu? gefallen war, trat der ?bliche Effekt ein: Alle Aufregung wich und der Zellmotor in mir begann seine stetige Arbeit zu verrichten. Die Sonnenstrahlen auf dem R?cken f?hlten sich toll an, der ausgiebige Platz, den der See bot, war traumhaft und ich erinnere mich nicht an einen Schwimmablauf, der mir jemals soviel Spa? gemacht hatte, wie es dieser hier tat!
Nach einer Stunde und zehn Minuten stieg ich in Ludwigshafen aus dem Wasser und war angesichts der f?r mich voll im ?blichen liegenden Schwimmzeit hoch zufrieden. Dann ging es ans Umziehen f?r das Skaten. Hierf?r hatte ich durchaus etwas mehr Zeit eingeplant, denn ich wollte mich erst komplett trockenlegen, bevor ich die Inliner ?berstreifte. Ich hasse nichts mehr, als Wasser in den Schuhen! Doch nicht nur, da? diese M?he bald verspottet werden sollte, bei dieser Gelegenheit rieb ich mir auch noch die ganze Sonnencreme wieder von der Haut, die ich in der Fr?he so akribisch aufgetragen hatte.
Nun zeigte sich das Wetter an diesem Tage ja wirklich von der allerbesten Seite, bis auf eine winzige Ausnahme! Diese bestand in einer kleinen aber dicken Wolke, die nichts Besseres im Sinn hatte, als sich genau ?ber der Runde, die wir mit den Inlinern bew?ltigen mu?ten, in Str?men zu entladen. Das Wasser stand zentimeterhoch auf den Radwegen und das Skaten wurde zu einer wahren Rutschpartie. Ich kam an mehreren gest?rzten Mitstreitern vorbei und mu?te selbst zweimal schwer k?mpfen, nicht in die B?sche zu segeln. So wurden aus den kalkulierten zwei Stunden f?r diese Disziplin jedoch 45 Minuten mehr…
Die n?chste ?berraschung wartete dann in der Wechselzone: Alles war patschna?! Nat?rlich hatte ich mit keiner Silbe gedacht, da? es regnen k?nnte und deshalb die Utensilien nicht wasserfest gelagert. Da aber zwischenzeitlich schon wieder die Sonne schien, breitete ich jetzt so gut es ging die Klamotten aus, damit sie wieder trocken w?rden, bis ich vom Rennradeln zur?ck komme. Nun, also drauf auf die Rennmaschine und ab auf die Piste.
Es ging auch gleich ordentlich bergauf und ich war froh, da? ich den Pulsmesser hatte, der mir half, nicht gleich zu ?berzocken. Nach dieser Steigung kam dann die n?chste und dann ein m?rderischer Berg hinauf nach Sipplingen und dann kam wieder eine Steigung und dann noch eine und… Tja, was soll ich sagen: Diese Radstrecke war der bergtechnischste Superlativ, den ich in meiner bisherigen Wettkampfkarriere erlebt hatte. Sage und schreibe sieben Liter Wasser habe ich auf den 120 Kilometern verbraucht und die drei folgenden Erlebnisse auf der Strecke zeugen eindrucksvoll von dieser Tatsache:
Bei Kilometer 60 ?berholte ich (nat?rlich an einer satten Steigung) einen Teilnehmer, der mir noch von 2001 in Erinnerung war (damals hat er mich beim Laufen kassiert). Er schob bereits sein Gef?hrt und ich sagte zu ihm: “Sag' mal: Die Radstrecke ist aber schon um einiges h?rter als fr?her, oder?” Daraufhin blickte er schon leicht angeschlagen zu mir her?ber und meinte nur: “Das ist einfach nur unglaublich!”. Bei Kilometer 90 kam dann an der Verp?egungsstelle ein Staffelfahrer aus F?rth an, der lediglich einen Kommentar von sich gab: “Also diejenigen, die das hier alleine machen, die haben alle einen an der Waffel!”. Ich bedankte mich f?r das Kompliment und wurde kurz vor der Wechselzone von einem weiteren Einzelstarter eingeholt. Ich war selbst bereits ziemlich platt und ?u?erte mich ihm gegen?ber dahingehend, da? ich ?berlege auszusteigen. Seine Gedanken gingen in eine ?hnliche Richtung und dann meinte er: “Ich war letztes Jahr beim Ironman in Frankfurt dabei und ich mu? schon sagen, da? das der reinste Spaziergang gegen das hier war.”.
Von diesen Erlebnissen und zus?tzlich durch meinen sonnenverbrannten und ausgepowerten K?rper alles andere als motiviert, kam ich in die Wechselzone und traute meinen Augen nicht. Dort standen bzw. lagen schon eine Menge Mountainbikes von den Startern, die die halbe Distanz absolvierten, herum. Die hatten alle das gleiche Aussehen: Zentimeterdick mit Schlamm ?berzogen! Was f?r eine Einladung, jetzt selbst in diesen Dreck hineinzufahren! Doch ich wollte nicht zu fr?h aufstecken und so machte ich mich auf die Mountainbikestrecke, die in zwei Runden zu je knapp 23 Kilometer eingeteilt war.
Was ich nun erlebte, war des Guten allerdings zuviel! Schon der erste Anstieg ging bis an die Substanz und die Abfahrt war selten zu genie?en aufgrund der rutschigen Verh?ltnisse. Und kaum war man wieder unten, ging es wieder alles rauf und wieder runter und wieder… Selbst als die Wechselzone in greifbarer N?he war und ich mich der Hoffnung hingab, da? mein Tacho vielleicht falsch eingestellt sei, kam wieder ein Anstieg! Unter diesen Klettertouren waren manche dabei, die mit 20% Steigung alles abverlangten. Da hie? es Gewicht nach vorne, damit der Bock nicht hochsteigt und treten, treten, treten, damit die Karre nicht umf?llt.
Nach der ersten Runde auf dem Bike war jedenfalls der Akku leer und ich entschied mich (schweren Herzens) die Vernunft siegen zu lassen und auszusteigen. Es w?re schon noch ein paar Meter weitergegangen, aber mit Sicherheit nicht bis ins Ziel! Zum Zeitpunkt meines Ausscheidens hatte ich bereits knapp 11 Stunden auf dem Buckel und ich mu?te mittlerweile mit einer Gesamtzeit von 15 Stunden rechnen. Das war einfach an diesem Tag nicht drin. Die 19 Kilometer Laufen k?ndigten sich als ebenfalls bergige Tortour an, denn auf der Mountainbikestrecke begegneten mir immer wieder auch die L?ufer und somit war klar, da? die auch irgendwie dort hinaufgekommen sein mu?ten. Von 300 H?henmetern per Treppe war da die Rede und als ich das h?rte, wurde ich mir meiner Entscheidung nur gewisser.
Ich befand mich - wie ich ein paar Tage sp?ter feststellen durfte - jedenfalls in guter Gesellschaft. Von den 112 gestarteten Einzelathleten auf der Langstrecke sind gerade mal 27 ins Ziel gekommen. Das bedeutet, da? 76% ausgestiegen sind, also mehr als drei Viertel! Immerhin ein kleiner Trost…
Fazit
In dieser Form hat der Highlander wirklich das Zeug zu einem absoluten Spitzenevent. Organisatorisch perfekt inszeniert bietet er eine Herausforderung der besonderen Art. Warum man bei der Streckenwahl aber so selektiv nochmal eins draufgesetzt hat, ist mir nicht ganz einleuchtend. Es war ja schon die alte Strecke nicht von Pappe. Aber das hier grenzt den Teilnehmerkreis schon wirklich auf die absoluten Cracks ein! Vielleicht liegt das Augenmerk des Veranstalters auch zu stark auf den Teams. F?r die sind solche Hammerstrecken vielleicht der ultimative Kick. Dem Einzelstarter brechen sie das Genick! ?berhaupt sah ich mich als Solok?mpfer nicht sonderlich beachtet. W?hrend die Teams umjubelt ins Ziel liefen haben wir unbemerkt die Wechselzonen passiert und w?ren wohl zu einer Zeit angekommen, wo keiner mehr Notiz genommen h?tte. Da? sich die Shirts und Medaillen nicht von denen der Staffelstarter unterscheiden, finde ich nicht ganz fair.
Vielleicht meinen jetzt manche, da? man den Wettkampf, der mir gef?llt, erst noch backen mu?. Mag sein, da? ich mit meiner Kritik hie und da zu egoistisch bin. Aber eine Abbrecherzahl von 76% kann nicht im Sinne des Veranstalters sein. Der lebt letztlich ja davon, da? man n?chstes Jahr unbedingt wieder dabeisein will und zumindest bei den Solisten habe ich da schwere Bedenken.
JJS